EIN JAHR CORONA: "WIR SPÜREN, DASS DIE KUNDEN MESSEN WOLLEN"

1_Bewerbung (1 von 1)

Seit über einem Jahr liegt die Messebranche nun schon brach. Die Vorfreude endlich wieder auf eine Messe gehen zu können wächst mit jedem Monat. Jedoch ist aktuell nicht absehbar, wann der Startschuss für die kommenden Messen sein wird. Lesen Sie in einem Gespräch mit Alexa Heidenreich, wie Corona die Arbeit ihres Teams beeinflusst hat. Sie ist Geschäftsführerin von Nomadic und Leiterin der Unternehmensbereiche Business Development und Marketing am Standort Frankfurt, Köln und Hamburg.


 

Nomadic-Geschäftsführerin Alexa Heidenreich sehnt sich danach, endlich wieder auf Messen gehen zu können. Die Pandemie-bedingte Zwangspause nutzt ihr Unternehmen für die Entwicklung neuer Produkte und Services. Damit hat der kleine Messe-Spezialist sogar die Bundesregierung als Neukunden gewonnen.

 

Frau Heidenreich, wie sehr fiebern Sie der ersten Messe nach dem Lockdown entgegen?

Sehr, denn ich bin sehr gerne auf Messen! Zuletzt war ich auf der Euroshop in Düsseldorf im Februar vergangenen Jahres – das ist viel zu lange her! Mir fehlt das Messeleben: Menschen kennenlernen, sich austauschen, neue Trends entdecken und zum Messeausklang am Stand gemeinsam ein Bier trinken – darauf freue ich mich schon sehr, wenn es wieder losgeht.

 

Wann wird das Ihrer Einschätzung nach sein?

Das ist keine einfache Prognose. Bisher wurden Messen im Februar, März und April 2021, für die wir Aufträge hatten, abgesagt beziehungsweise verschoben. Zwar gibt es noch Messetermine für den Mai und die ruhigeren Sommermonate, aber ich erwarte keinen Neustart vor dem Herbst, und dann auch erstmal mit kleineren Messen. Die großen Veranstaltungen werden vermutlich erst Anfang nächsten Jahres wieder anlaufen.

 

Ist, wie in anderen Branchen, ein Nachholeffekt zu erwarten?

Ein Unternehmen, das im Jahr auf 30 Messen geht, wird nach der Krise nicht an 60 Veranstaltungen teilnehmen. Mit einem Nachholeffekt in diesem Sinne ist daher nicht zu rechnen. Viele unserer Kunden haben uns aber bereits signalisiert, dass sie auf Messen gehen werden, sobald es wieder losgeht. Andere wiederum haben mit virtuellen Veranstaltungen gute Erfahrungen gemacht und werden diese zukünftig mit realen Messen kombinieren. In beiden Fällen bleibt die Messebeteilgung für die Unternehmen sehr wichtig, ob vor Ort, virtuell oder hybrid.

 

Wie ist denn die Auftragslage?

Wir spüren, dass die Kunden Messen wollen – und sie buchen auch. Das hängt sicherlich auch mit unseren kulanten Stornierungsbedingungen zusammen. Außerdem haben wir in der Pandemie auf entsprechende Nachfrage mit neuen Angeboten reagiert: Beispielsweise produzieren wir Rückwände für Pressekonferenzen des Deutschen Bundeswirtschaftsministeriums und des Schleswig-Holsteinischen Landtags. Auch Acrylglaswände zum Gesundheits- und Hygieneschutz bieten wir mittlerweile an. Mit solchen Produkten können wir die Einbußen durch Messeabsagen zumindest teilweise kompensieren und mit unseren Kunden in Kontakt bleiben.

 

Sie haben also in der Krise auch Neukunden gewonnen?

Ja, in der Tat. Die Bundesregierung ist eine neue, namhafte Referenz für Nomadic. Auch die Uniklinik Frankfurt zählt zu unseren Neukunden. Wir sind außerdem in Gesprächen mit Gesundheitsorganisationen bezüglich der Ausstattung von mobilen Impfzentren.  


Gibt es auch neue Produkte im klassischen Messesortiment?

Wir hatten relativ viel Zeit, uns mit unserem Sortiment und unseren Services auseinanderzusetzen. Dazu haben wir auch eine Kundenbefragung durchgeführt, um zu erfahren, was unsere Auftraggeber sich in Zukunft wünschen. Ein Ergebnis sind die LED-Video-Walls, die wir nun in unsere Messestände integrieren können. Zudem sind 3D-Messestände für virtuelle Veranstaltungen neu im Portfolio. Und wir haben die Standübergabe digitalisiert: Die läuft jetzt schnell und bequem per App.

 

Ihr Unternehmen bietet auch die Einlagerung von Messe-Equipment an. Sind die Lager jetzt im Lockdown voll bis unter die Decke?

Allerdings, es wird ja weiterhin nichts abgerufen. Normalerweise haben wir einen hohen Durchlauf – übrigens nicht nur an Material, sondern auch an Lebensmitteln, die ursprünglich auf Messen als Give-Aways verteilt werden sollten. Da muss man mittlerweile schon mal aufs Haltbarkeitsdatum schauen. Ein Kunde hat noch mehrere Tausend Lollies hier auf Lager – es wird schwierig, die dieses Jahr auf Messen zu verteilen.      

 

Sie sind bei Nomadic fürs Marketing zuständig – wie halten Sie das aufrecht in Zeiten des Lockdowns?

Klassisches Marketing, so wie wir es vor der Pandemie kannten, ist aktuell eine Herausforderung, da die Direktansprache vor Ort auf Messen natürlich wegfällt. Dadurch verlagert sich viel auf elektronische Kommunikation und auch hier ist es relevant, das richtige Maß zu kennen. Einerseits wollen wir mit unseren Kunden in Kontakt bleiben, andererseits die Ansprache aber nicht überstrapazieren. Das gelingt uns ganz gut durch themenspezifische Social-Media- und Blog-Beiträge. Und wir investieren wie gehabt in Online-Werbung und Printanzeigen.  

 

Eine letzte Frage: Was nehmen Sie als Geschäftsführerin Positives aus der Krise mit?

Auf jeden Fall das Thema Team-Zusammengehörigkeit: Wir sind in der Krise enger zusammengerückt, haben mehr Verständnis füreinander und verinnerlicht, dass wir alle in einem Boot sitzen. Wenn ein neuer Auftrag reinkommt, freuen sich alle gemeinsam und nicht nur der Vertrieb. Positiv ist zudem der Fortschritt bei der Digitalisierung. Den haben Mitarbeiter und Kunden nun angenommen, wenn auch notgedrungen.

 

Interview: Christofer Knaak

Alexa Heidenreich ist seit 2018 bei Nomadic. Die studierte Wirtschaftswissenschaftlerin leitet die Unternehmensbereiche Business Development und Marketing am Standort Frankfurt, Köln und Hamburg